Von der Idee zum Projekt -
Ein Leitfaden zur Umsetzung von Projekten
im BayernNetzNatur
(letzte Änderung des Seiteninhalts:  März 2017)
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Leitfaden zur Umsetzung von Projekten im BayernNetzNatur (letzte Änderung: Juli 2009)

2.2.2 Geländearbeiten

Art und Umfang der Bestandserhebungen sind abhängig von den Zielvorgaben. Sollen im weiteren Verlauf flächenscharfe, flurstücksbezogene Planungsaussagen und Maßnahmenumsetzungen erfolgen, ist (sofern keine ausreichenden Datengrundlagen vorliegen), zumindest eine Nutzungs- und Strukturkartierung des Projektgebiets zu erstellen.

 

Vorbereitung der Geländearbeiten


Um im Gelände alle relevanten Informationen möglichst detailgenau und effizient aufnehmen zu können, ist eine gute Vorbereitung der Kartierung und die Erstellung geeigneter Kartierungsgrundlagen notwendig.


Als wichtigste Kartierungsgrundlagen dienen Luftbilder und Flurstücksgrenzen. Diese können grundsätzlich in Papierform oder in digitaler Form bei den Vermessungsämtern  erworben werden. Papierfassungen der Luftbilder und Flurstücksgrenzen können dort gegen Gebühr in den Maßstäben M 1:2.000 bis 1:25.000 in den Größen DIN A3 bis 120 x 120 cm bestellt werden. Der Nachteil der Papierfassung ist, dass die Karten nicht bearbeitet werden können (z. B. Veränderung von Größe oder Maßstab) und nur durch Kopien vervielfältigt werden können. Demgegenüber hat die Verwendung digitaler Kartengrundlagen im GIS viele Vorteile: Möglichkeit der Mehrfachverwendung der Daten, Möglichkeit der Darstellung verschiedener Ausschnitte bzw. verschiedener Maßstäbe und Größen, Integration in einen Geländecomputer, effizientere Bearbeitung. In digitaler Form werden die Luftbilder als Rasterdaten in einer Bodenauflösung von 20 cm, entweder als 3 Kanalbilder (Echtfarben oder ColorInfrarot) oder 4 Kanalbilder mit Orientierung angeboten. Hochauflösende Luftbilder werden vom Landesvermessungsamt gegen Gebühr als DVD oder über WMS (s. WMS  abgerufen werden. Im Bereich der Geodaten gewinnt 3D zunehmend an Bedeutung. Für Teilbereiche in Bayern (z. B. für den Chiemgau) existieren bereits 3D-Luftbilder, die dem Betrachter einen räumlichen Eindruck der Landschaft verschaffen. Im Online-Dienst BayernAtlas (ehemals BayernViewer) der Bayerischen Vermessungsverwaltung kann man sich unter anderem anhand von Luftbildern, topographischen Karten und Relief kostenlos einen ersten Eindruck über das Projektgebiet verschaffen.


Eine Alternative zu den Daten der Vermessungsämter ist im Programm ArcGIS die Einbindung von im Internet bereitgestellten Hintergrunddaten über sogenannte Basemaps. Unter anderem stehen folgende Daten zur Verfügung: Open Street Map (vergleichbar Google Maps), Topographische Karte der Welt (WorldTopomap) und Satelliten- und Luftbilder (Imagery). Die Daten stehen unter Angabe der Quelle kostenfrei zur Verfügung, sie besitzen aber nicht die gleiche Detailtreue wie die Daten der Landesvermessungsämter und sind zum Teil nicht aktuell. Zudem ist die Anzeigegeschwindigkeit im GIS sehr langsam.

Manchmal lohnt es sich auch vor den Kartierungen einen Blick auf die Daten in Google Earth zu werfen. Diese sind zwar als Kartiergrundlage wenig geeignet, da die Funktionen zur Ausgaben von Druckdateien sehr eingeschränkt sind und die Luftbilder bzw. Satellitenbilder teils nicht aktuell sind. Jedoch bietet Google Earth mit seiner 3D Ansicht die Möglichkeit, das Gebiet aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und das Relief zu erfassen. Für einige Gebiete besteht hier auch die Möglichkeit zur Ansicht historischer Luftbilder.

Entscheidend für die Verwendbarkeit von Luftbildern als Kartiergrundlage ist neben Bildschärfe/-kontrast und Maßstab vor allem das Befliegungsdatum. Je nach Themenstellung sind Aufnahmen zu bestimmten Jahreszeiten bzw. – angesichts des gebietsweise rapiden Landschaftswandels – ältere Aufnahmen wenig geeignet. Als Vergleichsmaterial können die Ergebnisse älterer Befliegungen jedoch sehr nützlich sein. Die Bayerischen Landesvermessungsämter bieten (z. B. als WMS, siehe oben) in einem Luftbildarchiv auch historische Luftbilder ab 1941 an.

In Abhängigkeit von der Zielsetzung des Projekts kann zum Teil die Darstellung zusätzlicher Informationen auf den Luftbildkarten sinnvoll sein, beispielsweise Gewässer, Höhenlinien, Abgrenzungen bestehender Biotope oder Artnachweise (vgl. Kap. 2.2.1). Als Datenbasis bzw. Orientierungshilfe für die Nutzungs- und Strukturkartierung könnten die Daten der Tatsächlichen Nutzung der Bayerischen Vermessungsämter dienen.

 

Erfassung im Gelände


In der Regel werden bei den Geländeerfassungen die Kartierungsinhalte in vorher erstellte Papierkarten eingetragen und anschließend am Computer in einem GIS digitalisiert. Auf den Kartierungskarten sollte der Erfassungsmaßstab nicht ungenauer sein als der Maßstab der Plandarstellung. Bewährt hat sich die Plandarstellung im Maßstab 1:5.000 oder 1:10.000.

In den letzten Jahren werden für Kartierungen zunehmend Geländecomputer mit Spezialsoftware (z. B. ArcPad) verwendet. Die Geräte sind kostspielig und ihr Gebrauch erfordert etwas Übung, aber generell bieten Geländecomputer viele Vorteile: So ist keine nachträgliche Digitalisierung von Flächen und Übertragung von handschriftlichen Informationen in digitale Tabellen notwendig, es kann mit variablen Erfassungsmaßstäben gearbeitet werden, verschiedene Datengrundlagen können ein- und ausgeblendet werden etc.

Ist eine Erfassung mit hoher Genauigkeit notwendig, bietet sich die Verwendung von GPS-Geräten an, mit denen im Gelände, bis auf wenige Zentimeter genau, Punkte oder Wegstrecken aufgenommen werden können. In neuere Geländecomputer sind GPS-Funktionen bereits integriert. Daneben können auch GPS-Applikationen auf Smartphones genutzt werden. Diese sind zwar in der Regel deutlich ungenauer als spezielle GPS-Geräte, bei gröberen Erfassungsmaßstäben kann diese Genauigkeit aber ausreichen. Die Erfassungsgenauigkeit der GPS-Geräte ist grundsätzlich von der Satellitenverfügbarkeit abhängig. Sie sinkt mit steigender Abschirmung durch Geländeunebenheiten, Gebäude oder Bäume. Beispielsweise ist eine GPS-Einmessung innerhalb geschlossener Wälder nur sehr eingeschränkt möglich. Mit einem GPS-Gerät erfasste Daten können zur weiteren Bearbeitung in das GIS übertragen werden.

Grundsätzlich ist es sinnvoll die Geländearbeiten und Besonderheiten im Gelände durch die Aufnahme von Fotos zu dokumentieren. Kameras mit GPS-Funktion nehmen neben dem Foto zusätzlich die Koordinaten des Fotostandortes auf.

In den meisten Projekten sind neben einer Nutzungs- und Strukturkartierung noch weitere Erhebungen erforderlich. Dabei kann es sich sowohl um die Kartierung nach § 30 BNatSchG/Art. 23 BayNatSchG gesetzlich geschützter Biotope (Kartieranleitung und Kartierschlüssel stehen zum Download bereit ) als auch um Arterfassungen handeln. In einigen Fällen wurden in der Vergangenheit bestimmte systematische Gruppen (z. B. Vögel, Libellen, Tagfalter etc.) möglichst vollständig und daher mit hohem Aufwand kartiert. Das Problem liegt dabei darin, dass diese Erfassung mehrere Begehungen im Jahr notwendig macht. Die Beschränkung auf Leit- und Zielarten hat demgegenüber den Vorteil, dass der Erfassungszeitraum und damit auch der Aufwand reduziert werden kann (Details s. Anhang).
Leitarten sind Indikatorarten für bestimmte Umweltqualitäten. Stellvertretend für andere Arten einer Biozönose sollen sie Aussagen über die Entwicklung eines Raumes ermöglichen. Indiziert werden dabei Zustände und Entwicklungen, die anderweitig nur mit höherem Aufwand messbar sind. Leitarten sollten daher vergleichsweise leicht erfassbar sein. Veränderungen im Projektgebiet können anhand von Bestandsveränderungen der Leitarten am effektivsten abgelesen werden. Zielarten sind die Arten, die im Zentrum von Artenschutzbemühungen stehen. Dadurch dass innerhalb des Gesamtpools an Arten einige wenige Arten als besonders schützenswert gekennzeichnet werden, ist eine wertende Komponente enthalten. In der Regel handelt es sich bei diesen Arten um überregional bedeutsame Arten im Sinne des ABSP (vgl. Anhang).

Ziel- und Leitarten sollten nach Möglichkeit identisch sein, sind es aber nicht zwangsläufig:

Beispiel: Im Isental (Landkreis Erding) dienen z. B. Brachvogel und Grasfrosch als Leitarten; ersterer ist auch Zielart, da der Brachvogel bayernweit vom Aussterben bedroht ist, und die Zielformulierung im Isental gerade unter diesem Gesichtspunkt erfolgt. Der Grasfrosch ist keine Zielart i.e.S., da er auch außerhalb des Isentals geeignete Bedingungen vorfindet; er eignet sich jedoch als Leitart, da sich die Qualität des Lebensraumes (z. B. Ausprägung und Vernetzung von Grabenabschnitten) daran gut ablesen lässt. Arten mit ähnlichen Ansprüchen, die zugleich Zielarten sind - wie z. B. der Laubfrosch – fehlten zu Beginn des Projektes im Isental.

Bei der Auswahl der Ziel- und Leitarten ist die jeweilige lokal spezifische besondere Ausstattung zu berücksichtigen; dazu gehören:



  • hochgefährdete Arten (RL 1 und 2)

  • Endemiten

  • lokale Besonderheiten



Aus den Ansprüchen der Arten werden die Planungsziele abgeleitet (siehe Abschn. 2.5). Diese sollten sowohl auf den Habitatansprüchen basierende Aussagen zur Pflege von Biotopen umfassen, als auch solche, die funktionale Gesichtspunkte berücksichtigen. Dazu zählen z. B. Aussagen zu Mindestflächengrößen und der räumlichen Lage der Habitate zueinander (Isolationsaspekte) (vgl. hierzu Tab. 3 im Anhang  und Informationen von PAN GmbH zu Minimalarealen und max. Entfernungen zwischen Biotopen).

Die Erhebungsmethoden haben sich an der Fragestellung und am verfügbaren Zeit- und Finanzrahmen zu orientieren. Auf jeden Fall sollte auf standardisierte Methoden zurückgegriffen werden. Die Untersuchungsergebnisse lassen sich so besser nachvollziehen und halten ggf. einer Kritik durch Gegner des Projekts eher stand. Spätere Erhebungen, evtl. sogar durch andere Kartierer, lassen nur Vergleiche zu früheren Erhebungen zu, wenn dieselbe Methode gewählt wird. Eine gewissenhafte Dokumentation der Methodik sowie aller Untersuchungsergebnisse ist zwingend erforderlich. Bereits in dieser frühen Planungsphase sollte eine spätere, im Zuge der Maßnahmenumsetzung gewünschte Erfolgskontrolle (s. Kap. 7) bedacht werden. Ist mit Maßnahmen noch vor oder während der nächsten „Kartiersaison“ zu rechnen, ist es ratsam, zumindest auf ausgewählten Flächen (sog. Dauerbeobachtungsflächen) (halb-) quantitative Erfassungsmethoden anzuwenden (status quo-ante Untersuchung).

 
 
Ansprechpartner der Projektgruppe BayernNetzNatur:
PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH ( Email Dr. Jens Sachteleben, Email Christine Simlacher, Email Nicole Bernhardt, Email Stefan Alsheimer), Email Jan Vancura),
StMUV Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ( Email  Dr. Rolf Helfrich)
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