Von der Idee zum Projekt -
Ein Leitfaden zur Umsetzung von Projekten
im BayernNetzNatur
(letzte Änderung des Seiteninhalts:  März 2017)
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Leitfaden zur Umsetzung von Projekten im BayernNetzNatur (letzte Änderung: Juli 2009)

2.2 Bestandserhebung

2.2.1 Datenrecherche

Die Datenrecherche ist der Geländearbeit vorgeschaltet und hat zum Ziel, bereits vorhandene Bestandsinformationen zusammenzutragen, um den weiteren Untersuchungsaufwand abschätzen zu können und Doppelarbeit zu vermeiden. Neben der Befragung von Gebietskennern soll auch eine Auswertung von Gutachten und Veröffentlichungen erfolgen. Adressen von Gebietskennern und Fachleuten vor Ort kann man bei den Naturschutzbehörden erfragen.


Biotop- und Artenschutzkartierung


Mindeststandard der Datenrecherche ist die Sichtung der amtlichen Biotopkartierung und der Informationen in der landesweiten Datenbank „Artenschutzkartierung“ (ASK) des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU).


Die vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) durchgeführte Biotopkartierung im Maßstab 1:5.000 liegt für nahezu ganz Bayern untergliedert in Flachland-, Alpen-, Stadt- und Militärbiotopkartierung vor. Allerdings bestehen hier je nach Lage in Bayern deutliche Unterschiede in der Aktualität der Kartierungen bzw. in der Erfassungsmethodik. Eine Übersicht zum Datenstand der Biotopkartierung findet sich auf der Homepage des LfU.


Die Geometrien und Sachdaten der Flachland-, Stadt- und Alpenbiotopkartierung sind (als GIS-Shapefiles und Access Datenbank) bezirksbezogen von der Homepage des LfU herunter zu laden. Die Daten der Militärbiotopkartierung stehen nicht im Internet zur Verfügung und müssen bei der Datenstelle des LfU angefordert werden. Die Daten der Biotopkartierung können beim LfU auch als Karte (pdf-Format) im Maßstab 1:5.000 oder 1:25.000 mit einer Beschreibung der Objekte als Liste im pdf-Format bzw. als Access-Datenbank bestellt werden.


Alternativ können die Biotope inkl. Biotopbeschreibungen auch im FinWeb, einem Internet-Kartendienst des LfU (Online Version des Bayerischen Fachinformationssystems Naturschutz FinView) angesehen und ausgedruckt werden. Hier sind auch die Abgrenzungen der Natura2000-Gebiete und anderer Schutzgebiete einsehbar.


Ab 1993 wurden Waldbiotope nicht mehr im Rahmen der Biotopkartierung erfasst, seit 2006 erfasst die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) FFH-Waldlebensraumtypen innerhalb von FFH-Gebieten. Diese Daten (Format: Shapefile) können bei der LWF angefragt werden.


Die Datenbank „Artenschutzkartierung“ des LfU enthält Informationen zu gefährdeten Pflanzen- und Tierarten als Punktnachweise oder mit Abgrenzung der betreffenden (Teil-)Lebensräume. Auszüge aus der Datenbank „Artenschutzkartierung“ können beim LfU bei Nachweis eines berechtigten Interesses gegen eine Aufwandsentschädigung angefordert werden. Die Daten werden i. d. R. als Shapefiles mit beigeordneter Access-Datenbank ausgegeben, die u. a. die Hintergrundinformationen zu Fundorten und Artnachweisen (z. B. Jahr, Anzahl etc.) enthält. Alternativ können auch pdf-Karten der Fundorte erworben werden.


Sofern Daten zu Fledermäusen benötigt werden, empfiehlt es sich zusätzlich die betreffende Koordinationsstelle für Fledermausschutz  (Nord- oder Südbayern)zu kontaktieren – 2008 wurden zwar alle bis dahin aufgenommenen Fledermausdaten in die ASK integriert, aktuellere Daten sind jedoch nicht in der ASK enthalten.


Sonstige Fachinformationen


Im Zuge der Datenrecherche sollte auch unbedingt das ABSP gesichtet werden (vgl. Kap. 2.1). Im ABSP sind auf Landkreisebene verschiedenste Datengrundlagen bereits ausgewertet und zusammengefasst. Das ABSP gibt damit wertvolle Hinweise auf weitere Gutachten/Planungsgrundlagen.


Informationen zum Bestand liefern auch die Daten der Tatsächlichen Nutzung. Dabei handelt es sich um einen gegen Gebühren erwerbbaren Geodatensatz des Landesvermessungsamtes, der die Nutzung in fast 140 unterschiedlichen Kategorien (z. B. Ackerland, Grünland, Sportplatz etc.) darstellt.


Weitere öffentlich zugängliche Quellen, die Bestandsinformationen zum Projektgebiet enthalten können und von verschiedenen Stellen aufgelegt werden, sind folgender Tabelle zu entnehmen.

 
Typ Bezugsquellen bzw. Möglichkeit der Einsichtnahme Bemerkungen
Zustandserfassungen von Schutzgebieten Naturschutzbehörden zum Teil detaillierte Angaben zu Flora und Fauna der Schutzgebiete
Managementpläne für FFH- und Vogelschutz-Gebiete Naturschutzbehörden kurze und allgemein verständliche (nicht wissenschaftliche) Zusammenfassung des Bestands und der Bewertung aller im Gebiet vorhandenen Schutzgüter (LRT des Anhangs I und Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie bzw. Vogelarten des Anhangs I und des Art. 4 (2) der S-RL).
Pflege- und Entwicklungspläne Naturschutzbehörden
M 1:5.000; i.d.R. detaillierte Angaben zu Flora und Fauna, Festlegung von Zielen und konkreten Maßnahmenvorschlägen
Landschaftspläne Naturschutzbehörden, Gemeinden M 1:5.000, teilweise auch M 1:10.000; flächendeckende Nutzungs- und Strukturkartierung des Gemeindegebiets, fallweise mehr oder weniger umfassende Angaben zu Arten und Lebensräumen; für etwa die Hälfte der Gemeinden Bayerns vorliegend.
Übersicht der Landschaftspläne auf der Homepage des LfU
Landschaftspflegerische Begleitpläne (LBP), Umweltverträglichkeitsstudien (UVS), FFH-Verträglichkeitsprüfungen (FFH-VS), spezielle artenschutzrechtliche Prüfungen (saP) Naturschutzbehörden
LBP: M 1:5.000, z.T. M 1:1.000; flächendeckende Nutzungs- und Strukturkartierung, fallweise mehr oder weniger umfassende Angaben zu Arten und Lebensräumen
UVS: i. d. R. detaillierte Angaben zur Flora und Fauna der Untersuchungsgebiete;
FFH-VP, saP: Angaben zu europarechtlich geschützten Tier- und Pflanzenarten bzw. FFH-Lebensraumtypen
Gewässerentwicklungskonzepte (GEK) Wasserwirtschaftsämter Angaben zu Artvorkommen, Strukturen und Nutzungen, Maßnahmenplanung
Gewässerstrukturkartierung LfU
Angaben zur Gewässerstruktur Übersichtsverfahren (1 km Abschnitte) oder detailliertes "Kartier- und Bewertungsverfahren Gewässerstruktur" (100 m Abschnitte)
nähere Informationen auf der Homepage des LfU
Daten der Bestandsaufnahme der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) LfU, bzw. im Online-Kartendienst „Gewässerbewirtschaftung Bayern“ des LfU Ergebnisse der Bestandsaufnahme, z. B. ökologischer Zustand Makrozoobenthos (Saprobie), ökologischer Zustand Fische, chemischer Zustand etc.
 

 


Die Fachveröffentlichungen verschiedener Institutionen und Verbände können ebenfalls Detailinformationen zum Projektgebiet erhalten, sie sind z. B. häufig in den oben angeführten Planungswerken zitiert.

Als Datenquelle kommen auch Diplomarbeiten in Betracht. Thematische Übersichten von Diplomarbeiten gibt es leider nur an wenigen Hochschulen. Wegen urheberrechtlicher Probleme ist eine Ausleihe von Diplomarbeiten über die Bibliotheken kaum möglich. Man kommt meist nicht umhin, die Autoren persönlich anzusprechen. Naturschutzrelevante Diplomarbeiten liegen allerdings häufig bei den Naturschutzbehörden vor, welche die Arbeiten z. T. mitbetreut und -finanziert haben, und können dort eingesehen werden.


Sofern das Projektgebiet innerhalb eines Natura2000-Gebietes liegt, sollten zwingend der Standarddatenbogen und die gebietsbezogenen Erhaltungsziele berücksichtigt werden, die in pdf-Form für jedes Gebiet auf der Homepage des LfU  abgerufen werden können.


Für die Erstellung eines Fachkonzepts stehen darüber hinaus zahlreiche Datengrundlagen zu verschiedensten Themen zur Verfügung. Das Landesamt für Umwelt hat die wichtigsten Daten und deren Bezugsquellen in einer umfassenden Übersicht  zusammengestellt.


Inzwischen können viele Grundlagen und Fachinformationen auch kostenlos im Internet aufgerufen werden: Das LfU bietet Online-Kartendienste unter anderem zu den Themen Natur, Geologie/Boden und Wasser an.


Kartengrundlagen


Als Kartengrundlagen zur Einbindung ins GIS ist es in Abhängigkeit von der Zielsetzung des Projektes sinnvoll, folgende Grundlagendaten bei den Landesvermessungsämtern zu bestellen: Topographische Karten (verfügbar in den Maßstäben 1:100.000, 1:50.000 und 1:25.000), Luftbilder (siehe auch Abschn. 2.2.2), digitale Flurkarten (DFK), digitale Geländemodelle (DGM), digitale Oberflächenmodelle (DOM), Höhenlinien, Bodendaten, Geologie und ATKIS-Daten.
In jüngster Zeit werden digitale Luftbilder und andere Datengrundlagen der Vermessungsämter zunehmend über Web Map Services (WMS) zur Verfügung gestellt. Bei den WMS handelt es sich um eine in Geoinformationssysteme (GIS) integrierte Schnittstelle zum Abrufen von Geodaten über das World Wide Web. Der Vorteil der WMS liegt darin, dass die Daten jederzeit sofort zur Verfügung stehen und stets auf den aktuellsten Datenstand zurückgegriffen werden kann.
Die Topographische Karte 1:50.000 wird vom Landesvermessungsamt kostenfrei als WMS  zur Verfügung gestellt. Eine Alternative zu den Topographischen Karten der Vermessungsämter bietet der WEBAtlasDE, der TK-ähnliche Informationen aus ATKIS-Daten über einen WMS Dienst  zur Verfügung stellt. Die Daten sind nach Anmeldung für private Nutzung kostenfrei, für kommerzielle Nutzung sind die Daten frei bis zu einem Maßstab größer 1:15.000.


Im Online-Dienst BayernAtlas (ehemals BayernViewer) der Bayerischen Vermessungsverwaltung kann man sich unter anderem anhand von Luftbildern, topographischen oder historische Karten kostenlos einen ersten Eindruck über das Projektgebiet verschaffen. Der kostenpflichtige BayernAtlas-plus wurde speziell für Fachanwender entwickelt, hier steht einem dann umfangreiches Karten- und Datenmaterial zur Verfügung. 

 
 
Ansprechpartner der Projektgruppe BayernNetzNatur:
PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH ( Email Dr. Jens Sachteleben, Email Christine Simlacher, Email Nicole Bernhardt, Email Stefan Alsheimer), Email Jan Vancura),
StMUV Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ( Email  Dr. Rolf Helfrich)
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