Von der Idee zum Projekt -
Ein Leitfaden zur Umsetzung von Projekten
im BayernNetzNatur
(letzte Änderung des Seiteninhalts:  November 2016)
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Leitfaden zur Umsetzung von Projekten im BayernNetzNatur (letzte Änderung: Juli 2009)

3.2 Projektbetreuung/-koordination

Der Projektbetreuer ist für die direkte Umsetzung vor Ort zuständig, ggf. auch für die Planung.


Wesentliche Aufgaben des Projektmanagers sind (weitere Details s. Anhang):


Information und Abstimmung


In allen Phasen eines Projektes ist ein intensiver Informationsaustausch mit allen Beteiligten erforderlich (vgl. Kap. 3.3).


Planung



  • Erstellung oder Vergabe und fachliche Begleitung der Projektplanung

  • Abstimmung der Konzepte mit allen direkt und indirekt Betroffenen (Träger, Eigentümer, Kommunen, Naturschutzbehörden, Fachbehörden und Institutionen)



Realisierung der Maßnahmen



  • Organisation und Vorbereitung der für das Projekt notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen (Verhandlungen mit betroffenen Landwirten, Landwirtschaftsämtern, Bauernverband, Naturschutzverbänden, Gemeinden)

  • fachliche Betreuung der durchzuführenden Landschaftspflegemaßnahmen vor Ort (Bauleitung)

  • Vorbereitung (ggf. auch Abwicklung) von Vertragsabschlüssen im Rahmen der Förderprogramme des Naturschutzes, Koordinierung mit dem Landwirtschaftsamt wegen des Einsatzes von Förderprogrammen der Landwirtschaft

  • Kontrolle von Auflagen und Bewirtschaftungsvereinbarungen



Öffentlichkeitsarbeit



  • Organisation und Übernahme von Führungen und Vorträgen

  • Erstellung von Faltblättern oder Broschüren

  • Pressearbeit

  • Organisation von Ausstellungen


laufende Betreuung des Projektes



  • Anlaufstelle für Fragen

  • Koordinierung laufender Aktivitäten

  • Moderator bzw. Mediator bei Konflikten


Erfolgskontrolle



  • Erhebungen von Flora und Fauna zur Überprüfung der Effektivität von Landschaftspflege, Schutz- und Extensivierungsmaßnahmen

  • Sammlung und Dokumentation der im Projekt gewonnenen Erfahrungen


Während potenzielle Projektbetreuer in vielen Fällen hinsichtlich des notwendigen naturschutzfachlichen Wissens hervorragend qualifiziert sind, unterschätzen insbesondere Berufsanfänger den Aufwand und die Bedeutung des eigentlichen Projektmanagements. Neben der Nutzung einschlägiger Fachliteratur (z. B. Broggi & Marti 1997, Breitschuh & Feige 2003) kann angehenden Projektbetreuern auch der Besuch von speziellen Seminaren z. B. an der ANL empfohlen werden. Aller Erfahrung nach werden v. a. folgende Aspekte vernachlässigt:



  • Eindeutige Prioritätensetzung (z. B. die Fragen: Was ist wichtiger – Flächenankauf oder Pflegemaßnahmen oder Umweltbildung? Welche Flächen sollten vordringlich behandelt werden? Welche Akteure muss ich unbedingt zuerst ins Boot holen?)

  • Zeitpläne

  • Projektcontrolling (sowohl hinsichtlich finanzieller als auch insbesondere personeller Ressourcen).


Ohne diese für ein effizientes Management essentiellen Mechanismen und Maßnahmen besteht die große Gefahr des Sich-Verzettelns: es wird viel begonnen und wenig zu Ende geführt.

 

Wenn die Projektbetreuung nicht durch die unteren Naturschutzbehörden oder andere Behörden übernommen wird, ist der Projektbetreuer häufig entweder durch einen Werkvertrag eingebunden oder über einen Landschaftspflegeverband organisiert (Abb. 3).


In einigen Projektgebieten sind die Projektbetreuung (insbesondere die Abwicklung der Maßnahmen) und die Koordination personell getrennt.


In diesen Fällen wird in der Regel die Koordination durch einen Vertreter der unteren Naturschutzbehörde übernommen und die eigentliche Projektbetreuung z. B. durch eine im Werkvertrag verpflichtete Kraft.


Die Aufgaben können von Biologen, Landespflegern (FH und TU) und Agraringenieuren (Fachrichtung Ökologie) oder Personen ähnlicher Ausbildung erfüllt werden (vgl. Anhang). Landwirte mit der Zusatzausbildung Fachwirt für Naturschutz und Landschaftspflege" haben sich bei der Abwicklung der Maßnahmen, insbesondere bei Landschaftspflegemaßnahmen bewährt. In der Regel muss ihnen jedoch eine naturschutzfachlich ausgebildete Kraft zur Seite gestellt werden. Inzwischen hat sich mit dem Geprüften Natur- und Landschaftspfleger ein weiterer grundsätzlich geeigneter Ausbildungszweig etabliert (weitere Informationen). Teile der Aufgaben (z. B. die Erfolgskontrolle) können auch von Dritten übernommen werden.


Praktikanten (vgl. Anhang), Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes (ehem. Zivildienst) oder des freiwilligen ökologischen Jahres (Weitere Infos unter: Freiwilliges ökologisches Jahr) können bei der Projektbetreuung wertvolle Hilfestellungen leisten.


Aufgrund des notwendigen hohen Zeitaufwandes kann die Projektkoordination nur in Ausnahmefällen von Ehrenamtlichen übernommen werden.


Die Erfahrungen aus BayernNetz Natur-Umsetzungsprojekten in Bayern zeigen, dass der Stand von Projekten sehr eng mit der Verfügbarkeit einer qualifizierten Betreuung verbunden ist: Projekte mit einem eigenen Projektbetreuer kommen i. d. R. sehr viel besser voran.


Mit der Abwicklung eines Projektes ist meist eine positive Außenwirkung verbunden. Potenziell besteht daher die Gefahr, dass in der Öffentlichkeit zwischen positivem Naturschutz (Träger von Projekten und Landschaftspflegemaßnahmen) und negativem Naturschutz (eingriffsbeurteilende Naturschutzbehörde) unterschieden wird. Dieser Trennung muss durch intensive Kooperation mit den Naturschutzbehörden und gemeinsame Darstellung in der Öffentlichkeit entgegengewirkt werden.


Problematisch ist nach wie vor die Finanzierung der Projektbetreuung. Nähere Details dazu finden sich in Kapitel 4.2.

 

Abb. 3: Betreuung von Naturschutzprojekten in Bayern

Von Betreuung wird hier nur dann gesprochen, wenn mindestens eine Person wenigstens teilweise nur für das Projekt tätig ist und in dieser Zeit Vertragsabschlüsse und ähnliches zumindest vorbereitet (Mehrfachzählungen sind möglich). Stand März 2008

 
 
Ansprechpartner der Projektgruppe BayernNetzNatur:
PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH ( Email Dr. Jens Sachteleben, Email Christine Simlacher, Email Nicole Bernhardt, Email Stefan Alsheimer), Email Jan Vancura),
StMUV Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ( Email  Dr. Rolf Helfrich)
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