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Ein Leitfaden zur Umsetzung von Projekten
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(letzte Änderung des Seiteninhalts:  Januar 2016)
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Leitfaden zur Umsetzung von Projekten im BayernNetzNatur (letzte Änderung: Juli 2009)

7 Erfolgskontrolle

Zum Thema Erfolgskontrolle gibt es eine Fülle von Arbeiten. Einen hervorragenden, zusammenfassenden Überblick gibt die Arbeit von MARTI & STUTZ (MARTI, R. & H.-P.B. STUTZ 1993: Zur Erfolgskontrolle im Naturschutz.- Ber. d. Eidgen. Forsch.anst. f. Wald, Schnee und Landschaft 336). Nach dieser Arbeit sind folgende diagnostische Formen der Erfolgskontrolle relevant:



  • Vollzugskontrolle: Kontrolle des Einsatzes geplanter Mittel und der tatsächlichen Durchführung der geplanten Maßnahmen

  • Zielerreichungskontrolle: Kontrolle hinsichtlich der Realisierung vorgegebener Ziele des Naturschutzes

  • Wirkungskontrolle: Untersuchung, die die Frage beantworten soll, inwieweit die Erreichung eines Zieles auf bestimmte, einzelne Maßnahmen zurückzuführen ist. MARTI & STUTZ verstehen die Effizienzkontrolle als Teil der Wirkungskontrolle, die das Verhältnis zwischen Mitteleinsatz und Zielerreichung beschreibt.



Eine Vollzugskontrolle dürfte in den meisten Projekten gegeben sein. Im Vertragsnaturschutz ist sie aufgrund der mit der EU-Kofinanzierung verbundenen Auflagen stark instrumentalisiert: jährlich müssen mindestens 5 % der Vertragsflächen von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kontrolliert werden. Dort wo Projektbetreuer die Bauleitung bei der Maßnahmendurchführung übernehmen, ist auch eine Vollzugskontrolle im Rahmen des Landschaftspflegeprogramms die Regel.
Da Wirkungskontrollen auf die Bedeutung einzelner Maßnahmen abzielen, sind sie in der Regel sehr komplex und aufwändig. Eine Finanzierung wird von daher nur in wenigen Fällen möglich sein. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen müssen dann auf andere gleichartige Fälle extrapoliert werden. Wirkungskontrollen im Naturschutz werden durch das Landesamt für Umwelt koordiniert (z. B. KRIEGBAUM, H. 1997: Erfolgskontrollen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms, des Landschaftspflegeprogramms und des Erschwernisausgleichs für Feuchtflächen.- unveröff. Projektbericht i.A. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt).



Bei der Durchführung von Zielerreichungskontrollen sind bei den meisten Projekten erhebliche Defizite festzustellen, in der Regel fehlen sie ganz. In Anlehnung an MARTI & STUTZ (a.a.O.) und auf der Grundlage eigener Erfahrungen bestehen insbesondere folgende Mängel:



  • Durch fehlende oder ungenaue Zielformulierungen zu Beginn des Projektes existieren keine überprüfbaren Ziele. Weitere Details zu diesem Problemfeld finden sich im Anhang.



  • Bestandsaufnahmen zu Beginn eines Projektes, die prinzipiell als "Null-Aufnahme" geeignet sind, werden nicht mit einer einheitlichen, reproduzierbaren Methode durchgeführt, so dass sie mit späteren Untersuchungen nicht vergleichbar sind.



  • Die Untersuchungsinhalte orientieren sich nicht an einem naturschutzfachlichen Ziel, sondern werden scheinbar willkürlich ausgewählt.



Ein von der Projektgruppe BayernNetz Natur zusammengestellter Bericht über Erfolgskontrollen in bayerischen Naturschutzprojekten ist unter hier abrufbar. Nach KRIEGBAUM (a.a.O.) lassen sich die Methoden der Erfolgskontrolle folgenden Klassen zuordnen:
Soll-Ist-Vergleich: klassische Zielerreichungskontrolle, in der der angestrebte Zustand einer Fläche mit dem tatsächlichen Zustand verglichen wird.
Mit-Ohne-Vergleich: Vergleich von Flächen, die behandelt wurden, mit Flächen, die als Kontrollfläche dienen und auf denen keine
Maßnahmen durchgeführt werden.
Vorher-Nachher-Vergleich: Vergleich einer Fläche vor und nach einer Maßnahme. Im Gegensatz zum Soll-Ist-Vergleich ist bei dieser Methode eine Zieldefinition nicht zwingend erforderlich.



Folgende Arbeiten geben einen zusammenfassenden Überblick über die Methoden der Erfolgskontrolle (vgl. dazu auch Anhang):
BLAB, J., E. SCHRÖDER & W. VÖLKL (1994): Effizienzkontrollen im Naturschutz.- Schriftenreihe Landschaftspflege und Naturschutz Heft 40
RIECKEN, U. (1992): Planungsbezogene Bioindikation durch Tierarten und Tierartengruppen.- Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 36
RIECKEN, U. & E. SCHRÖDER (1995): BiologischeDaten für die Planung.- Schriftenreihe Landschaftspflege und Naturschutz Heft 43
TRAUTNER, J. (1992, Hrsg.): Methodische Standards zur Erfassung von Tierartengruppen.- Ökologie in Forschung und Anwendung

Viele Untersuchungen bzw. Untersuchungsmethoden haben jedoch den Nachteil, dass sie relativ zeit- bzw. kostenaufwändig sind.

Intensive Untersuchungen sind im Rahmen von Eingriffsvorhaben notwendig, nicht aber zwingend bei Naturschutzprojekten, die grundsätzlich eine positive Entwicklung erwarten lassen.

Um den Arbeitsaufwand finanzierbar zu halten, sollte auf eine klare Zielorientierung der Untersuchungen geachtet werden. Darüber hinaus können folgende Maßnahmen zu einer Steigerung der Effizienz einer Untersuchung führen (Beispiele im Anhang):



  • Beschränkung der Untersuchung auf einzelne Arten; nur dort, wo eine ganze Artengruppe mit nahezu gleicher Methodik zu erfassen ist oder eine Beurteilung von Lebensgemeinschaften unbedingt notwendig ist, sollten ganze Artengruppen untersucht werden.

  • Beschränkung auf repräsentative Probeflächen (z. B. Dauerbeobachtungsflächen, Linientransekte, Rasterkartierungen etc.)

  • Beschränkung des Zeitaufwandes für die Untersuchung (z. B. durch die Reduktion der Zahl der Begehungen, Fallen etc.).



Entscheidend ist, dass die Untersuchungsmethodik vergleichbar ist und Vergleichsflächen, die nicht behandelt werden, zur Verfügung stehen. Um Entwicklungen beurteilen zu können, sind entsprechend lange Zeitreihen notwendig.

Außerdem sollte man auch bei der Öffentlichkeitsarbeit eine Erfolgskontrolle nicht vernachlässigen. Die Frage nach der Wahrnehmung des Projektes in der Bevölkerung ist für den Erfolg von entscheidender Bedeutung.

 
 
Ansprechpartner der Projektgruppe BayernNetzNatur:
PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH ( Email Dr. Jens Sachteleben, Email Christine Simlacher, Email Nicole Bernhardt, Email Stefan Alsheimer), Email Jan Vancura),
StMUV Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ( Email  Dr. Rolf Helfrich)
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